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Stellaner Steckbriefe | |
Martin Lohmann
„Meine Güte, da kommt ein ganz schön konservativer Karrierist über uns,“ stöhnte eine Kollegin der Koblenzer Rhein-Zeitung , als die Nominierung Martin Lohmanns zum Chefredakteur bekannt wurde. Der studierte Historiker übernahm zum 1. Januar 1998 eine der größten Regionalzeitungen Deutschlands und hat seitdem seinen Redakteuren bewiesen,
dass Werteorientiertheit die Lust am Diskurs nicht ausschließt und ein klarer Standpunkt die Toleranz sogar regelrecht leicht macht. Der Journalist sieht sich als liberal-wertkonservativ, also als einen „eigentlich ziemlich progressiv veranlagten Menschen.“
Lohmann hat sein Leben an Maximen ausgerichtet. Christ sein und Journalist sein, das sei eine wundervolle Ergänzung: „Als Christ hat man ein unglaublich gutes Koordinatensystem, um in dieser Welt zu bestehen. Verantwortung und Freiheit schließen sich nicht aus, sondern sind verpflichtende Ergänzungen. Es gibt keine größere, dümmere Tautologie als den Begriff der Selbstverantwortung. Ich bin mir nicht selber verantwortlich, sondern ich muss und kann mein Handeln gegenüber Gott verantworten.“
In den 70er Jahren besucht er das Aloisiuskolleg. Es sind die Jahre der Jugend- und Frauenbewegungen, die gesellschaftlich höchsten Wellen schlägt die Neuformulierung des
§ 218, des Gesetzes zur Abtreibung. Martin Lohmann widersetzt sich den Modeströmungen, gründet seine Schülerzeitung ,aspect’. Auch sie ist schon christlich-liberal-wertkonservativ geprägt und will „echte Qualität“ bieten.
„Rheinisch-römisch-katholisch war mein Elternhaus, und das in seiner positivsten Ausprägung. Wir haben über den Glauben genauso diskutiert wie über Sport und Politik. Es gehören eben nicht nur Geist und Körper gepflegt, sondern auch die Seele
muss gesund erhalten werden. Kirche präsentierte sich nie als Zwang, sondern durch Vorbild.“ Als Siebenjähriger hatte Lohmann das erste Mal erfahren,
dass der Glaube tragen kann. Seine Mutter war nach der Geburt seiner Schwester gestorben. Im Gebet und in Gesprächen mit dem Vater überwand er die Trauer. Lohmann ist bis heute konsequent geblieben, als wichtige Leitlinie in seinem Berufsleben dient ihm der Glaube als „Schlüssel zur Freiheit“.
Nach dem Studium in Bonn ist er stellvertretender Bundesgeschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer. Es folgen Stationen als Redakteur und Ressortleiter ‚Christ und Welt’ beim ‚Rheinischen Merkur’. Dort fungiert er drei Jahre als stellvertretender Chefredakteur, bis er dann Chefredakteur der Rhein-Zeitung wird.
Fragen an den Altschüler:
Martin Lohmann, Chefredakteur
45, verheiratet, eine Tochter
Welche Erfahrungen haben Sie mit der jesuitischen Erziehung gemacht?
„Die jesuitische Erziehung fordert in besonderer Weise Geist und Herz heraus und vermittelt ein Gespür für den verantwortungsbewussten Umgang mit der Freiheit.“
Wie hat jesuitische Erziehung Ihren weiteren Lebensweg geprägt?
„Im Lauf des Studiums und am Anfang meines Berufslebens hat mich die Konzentration auf den Gedanken von Freiheit und Verantwortung bestärkt. Sie hat mich zu selbstbewusstem Auftreten in dieser Welt befähigt, mir den Blick für das Wesentliche geschärft.“
Inwieweit fließt heute noch Ihre schulische Ausbildung in Ihre tägliche Arbeit ein?
Sie hat dazu beigetragen, dass die faszinierende Neugier auf Wahrheit nicht nachlässt und sondern die Lust auf und die Freude am Menschen wächst.
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