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Stellaner Steckbriefe

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein

Als Sohn einer traditionsreichen, weit verzweigten Familie geboren, sind ‚Verantwortung’ und ‚Gemeinsamkeit’ Schlüsselworte für Felix Prinz zu Löwenstein. Nach der Kollegszeit in St. Blasien, studiert Prinz zu Löwenstein an der renommierten agrarwissenschaftlichen Fakultät in Weihenstephan. 1982 promoviert er über „Informationsverhalten und Informationsübermittlung in der landwirtschaftlichen Offizialberatung“. Abschließend übernimmt er den elterlichen Hof- und Forstbetrieb in Habitzheim, abgesehen von dreijähriger Entwicklungshelfer-Tätigkeit auf Haiti, einem sehr geradlinigen Lebensweg folgend. Seit diesem Jahr ist er Vorstandvorsitzender des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Denn, wie er selber sagt, mangels Korrekturmöglichkeit durch die Segnungen der Chemie, führt nur das Wirtschaften zu Erfolg, das sich im Einklang mit der Natur befindet.

Fragen an Prinz zu Löwenstein

Welche Menschen haben Sie besonders geprägt?
Sehr stark meine Eltern, besonders mein Vater durch sein Lebensbeispiel. In religiöser Hinsicht war ein Jesuit, Bruder meines Vaters für meine Frau und mich zu Beginn unserer Ehe überaus wichtig. Wir haben sehr früh geheiratet und ich bin sicher, dass deshalb meine Frau und ich uns gegenseitig mehr geprägt haben, als irgendjemand Drittes.
Mein Doktorvater hat mir gezeigt, dass ich Selbstständiges schaffen kann und wie Wesentliches unter Weglassung von Unwesentlichem hervorgehoben werden kann.
Mein Projektleiter in der Entwicklungshilfe, ein bretonischer Missionar, hat mir gezeigt, wie man gegen jede Rationalität und Erfahrung optimistisch bleiben kann.

Welche Bedeutung hat das väterliche Erbe? Ein besonderes Vorbild, eine Herausforderung, vielleicht eine Belastung?
Das materielle Erbe, den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, musste ich nicht übernehmen, sondern konnte mich frei dafür entscheiden. Meine beiden älteren Brüder wollten nicht Landwirt werden, ich hätte ebenso entscheiden und einem der Jüngeren das Erbe überlassen können. Das und die Tatsache, dass mein Vater mir ab dem Tag der Übergabe mit keinem noch so kleinen Wort hineinregiert hat, führten dazu, dass ich das Erbe nie als Belastung empfunden habe.
Mein Vater hat mir - wie allen Geschwistern - aber auch das Erbe hinterlassen, das aus dem Beispiel seines Lebens bestand. Er engagierte sich enorm für den Malteserorden und seine Werke und für andere öffentliche Belange, tat dies in verantwortlicher Stellung und begeisterte viele Menschen durch professionelle Effektivität, Untermauerung seines Tuns aus dem Glauben und gleichzeitig ganz und gar unprätentiöse Bescheidenheit.
Dies wurde von ihm kaum je durch erzieherische Worte vermittelt. Dieses Vorbild ist für uns alle eine Herausforderung geworden, der wir uns alle - jede und jeder anders und auf die ihr oder ihm mögliche Weise - angenommen haben.

Wie sind Sie Ihrer Region verbunden?
Nur wenig, da ich nicht in Südhessen aufgewachsen bin.
Durch (sehr begrenzte) Mitarbeit in der Kommunalpolitik und durch einen wachsenden Bekanntheitsgrad des Ökologisch bewirtschafteten Hofgutes Habitzheim bin ich relativ vielen Leuten ein Begriff, so dass ich “zur Region gehöre”.

Wie versuchen Sie Lebensunterhalt und Erhalt der Lebensumwelt zu verbinden?
Auch Ökologischer Landbau muss sich rechnen und wirtschaftlich vernünftig praktiziert werden. Darin unterscheidet er sch überhaupt nicht vom konventionellen Landbau. Er funktioniert aber nur, wenn er auf die Bedürfnisse der Natur und der Umwelt Rücksicht nimmt. Denn mangels Korrekturmöglichkeit durch die Segnungen der Chemie führt nur das Wirtschaften zu Erfolg, das sich im Einklang mit der Natur befindet. Dadurch schärft sich der Blick für natürliche Zusammenhänge und macht zusätzliche Möglichkeiten des umweltverträglichen Handelns erkennbar. Schließlich kann der Öko-Landwirt einer besonders kritischen Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen sicher sein, die zusätzliche Verpflichtung schafft. Der Zustand, in dem es nicht noch einen Haufen Dinge besser zu machen gäbe, ist aber noch nicht eingetreten.......

Was bedeutet es heute Grundbesitzer zu sein?
Für viele Menschen - auch für maßgebliche Politiker in konservativen Parteien - endet der Eigentumsbegriff beim Eigenheim. Das Verständnis dafür, dass der Besitz land- und forstwirtschaftlicher Flächen und oft alter und großer Gebäudeanlagen mit historischer Bedeutung eine wichtige gesellschaftliche Funktion hat, fehlt ihnen. Das hat fatale Folgen, insbesondere in der Rechtsetzung und für das Verwaltungshandeln und gefährdet das Fortbestehen des Grundbesitzes als einem wichtigen Eckpfeiler unserer Gesellschaftsordnung. Das schlimmste Beispiel dafür ist der Umgang mit dem “Alteigentum” in den neuen Bundesländern, also dem Grund- und Industrievermögen, das zwischen 1945 und 1949 enteignet wurde und das von den neuen Herren nach 1999 eiskalt dem Staatsvermögen des wiedervereinigten Deutschland einverleibt wurde. Das hat das Vertrauen der Grundbesitzer in diesen Staat stark erschüttert.
Da zwischen dem Verkehrswert von Grundbesitz und seiner Ertragsfähigkeit ein riesiger Unterschied besteht, braucht es aber ein solches Vertrauen dringend, um die Menschen davon abzuhalten, generationenlang erhaltenen Grund- und Kulturbesitz zu versilbern.

Welche Bedeutung hat Besitz allgemein?
Das vorstehend gesagte wäre kein Problem, wenn es für eine Gesellschaft nicht so wichtig wäre, dass ihre Mitglieder Eigentum erwerben und vererben können. Seit dem Massenexperiment des real existierenden Sozialismus bedarf es dafür keiner theoretischen Begründung mehr. Gerade auch im Hinblick auf die Schonung der Natur und ihrer Ressourcen ist die langfristige Eigentumsperspektive von ausschlaggebender Bedeutung.
Nichts kann die positive Kraft tradierten Eigentums deutlicher machen, als der Vergleich zwischen der ehemaligen DDR und Tschechien, dem einzigen Land des “Ostblocks”, das eine vollständige Restitution seiner ehemaligen Grundeigentümer durchgeführt hat. Während die Neuerwerber des vom Staat einbehaltenen und weiterverscherbelten Eigentums hierzulande in der Regel Menschen sind, die – nachvollziehbarerweise - eine in überschaubarem Zeitraum erzielbare Rendite im Vordergrund ihrer Motivation stehen haben, sind es in Böhmen Menschen mit einer emotionalen Bindung an das alte Familieneigentum, denen die Wiederbelebung dörflicher Kultur, der Wiederaufbau von Kapellen, Gutshöfen und Schlössern und das gesellschaftliche Engagement ein Anliegen ist, das sich durch betriebswirtschaftliche Erwägungen nicht begründen lässt.

Welches ist die ideale politische Gesellschaftsform und warum?
Davon habe ich keine Vorstellung. Ich weiß lediglich, dass ich, vor die Wahl gestellt, in welcher der existierenden Gesellschaftsformen und in welcher Epoche ich am liebsten leben würde, ich ohne jedes Zögern das hier und heute wählen würde.
Dass wir in schlimme Zeiten geraten, wenn es nicht gelingt, Werte als verbindlich wieder zu entdecken, die nicht das Ergebnis eines demokratischen Abstimmungsprozesses sondern einer ethischen Bindung sind, ist eine Einsicht, die davon unabhängig besteht. Ich kann mir aber kaum noch vorstellen, dass diese Einsicht zu einer baldigen Umorientierung staatlicher Normensetzung Zeit führen wird. Vielmehr glaube ich, dass dies aus dem Kern gesellschaftlicher Erneuerungsprozesse und ihn repräsentierender Gruppen diesseits staatlicher Strukturen heraus geschehen muss.

Welche Bedeutung hat Adel heutzutage?
Da der Adel eigentlich die einzige soziologisch definierbare gesellschaftliche Gruppe ist, die identifizierbar geblieben ist, könnte er in einem solchen Prozess eine Rolle spielen. Sicherlich nicht führend oder gar ausschließlich - dafür ist er längst viel zu heterogen und viele seiner Repräsentanten sind längst viel zu angepasst an die Anforderungen, die das Primat von Geld und Erfolg an die Menschen stellt. Dort, wo das Bewusstsein historischer Kontinuität und Verantwortung noch besteht, entsteht jedoch beeindruckende Kraft zu gesellschaftlichem Engagement. Dies ist vor allem dadurch möglich, dass dieses Bewusstsein fast immer eng mit der Treue zum christlichen Glauben und an die Kirche verknüpft ist.

Ganz pragmatisch:
Wie sieht ihr Tagesablauf aus?
Wie gestaltet sich das familiäre Zusammenleben?
Unsere Kinder, soweit sie zu Hause zur Schule gehen, müssen sehr früh aufstehen - deshalb beginnt der Arbeitstag auch für die Eltern recht früh um 7 h.
Durch meine Verbandstätigkeit bleibt mir im landwirtschaftlichen Betrieb kaum noch die Möglichkeit, aktiv in der Außenwirtschaft mit zu arbeiten. Stattdessen bin ich zu einem nahezu reinen “Büromenschen verkommen”. Sehr häufig muss ich zu Terminen in Bonn, Berlin, München oder sonst wo, was in der Regel bedeutet, erheblich früher aufzustehen, zum nächsten Bahnhof zu fahren und abends sehr spät heimzukommen.
Bin ich zu Hause, gibt es um 14 h Mittagessen und um 18.3o Abendessen, womit meistens mein Büroarbeitstag endet. Mitunter muss zwischen 20 h und 21.45 h (Nachrichten!) noch mal “nachgelegt” werden. Das Familienleben findet deshalb im Wesentlichen während der Mahlzeiten, beim Vorlesen nach dem Abendessen (betrifft jetzt nur noch die Jüngste) und an Sonntagen statt. Fast ohne Ausnahme ist es bislang gelungen, zwei Wochen unserer Sommerferien und die hohen Feiertage zusammen mit allen 6 Kindern zu verbringen.

Welche Freundschaften pflegen Sie noch aus der Schulzeit?
Eigentlich habe ich nur mit einem meiner Klassenkameraden einen Kontakt, der über die Klassentreffen hinausgeht. Einen meiner Mitschüler, der gleichzeitig aber auch näher mit mir verwandt ist, zähle ich zu meinen engsten Freunden.

Welches Erlebnis der Schulzeit ist Ihnen besonders gut in Erinnerung?
Die nächtlichen Geländespiele im Wald und auf der “Rüttli-Wiese”, die Kartenspielnachmittage in meinem Einzelzimmer (großes Privileg als Verantwortlicher für den Instrumenten-Übe-Betrieb während der 13. Klasse) an nahezu jedem Samstag und die Basketballtourniere mit der Kollegsmannschaft.

Der JESUITEN-TEST

Welche Erfahrung haben Sie mit der jesuitischen Erziehung gemacht?
Wie hat jesuitische Erziehung Ihren weiteren Lebensweg geprägt?
Ich habe in St. Blasien kein Bewusstsein dafür entwickelt, was das spezifisch jesuitische an der Erziehung war. Ich habe das Kolleg als ein Angebot angesehen, das ich annehmen konnte - mit allen positiven Wirkungen, dass ich aber manche meiner Mitschüler auch habe ablehnen sehen. Letzteres mit der Wirkung, dass eine Erziehung möglicherweise gar nicht stattgefunden hat. Für mich und für die meisten Anderen war am prägendsten, mit Anderen dicht zusammen leben zu müssen, für sie Verantwortung übernehmen zu können, auf die Eigenheiten des Anderen Rücksicht nehmen zu müssen und zu erleben, dass manche eigene Eigenheit im Zusammenleben mit Anderen nicht durchhaltbar ist.

Inwieweit fließt Ihre schulische Ausbildung in Ihre tägliche Arbeit ein?
Ich muss viel und oft formulieren - mündlich und schriftlich. Dafür sind mir gute Grundlagen in der Schule gelegt worden. Auch die Fähigkeit ausgleichend zwischen widerstreitenden Interessen zu wirken, ist in St. Blasien grundgelegt worden.